Verkehr – Hannover – Rodungen an Südschnellweg: Umstrittener Ausbau läuft an – Wirtschaft

Hannover (dpa/lni) – In Hannover hat am Montag die Anfangsphase eines höchst umstrittenen Straßenbauprojekts begonnen: Für die Erneuerung der Südautobahn wurden am Morgen die ersten Bäume gerodet. Zunächst ist dies der Teil, der östlich des Naturschutzgebietes Alte Leine um die Ricklinger Teiche liegt. Die von Protesten gesäumte Abholzung sei bis zum Abend ohne größere Zwischenfälle weitergegangen, teilte die Polizei mit. Die Person, die versuchte, über den Zaun zu klettern und auf die Lichtung zu gelangen, wurde festgenommen. Das spontane Treffen von bis zu 100 Teilnehmern verlief friedlich.

Nach Angaben der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Niedersachsen müssen die Bäume im Landkreis Döhren unter anderem weichen, weil dort zusätzlicher Bauraum benötigt wird. Die marode Brücke über die Hildesheimer Straße – der zentralen Zubringer in die City – soll in den kommenden Jahren durch einen Tunnel ersetzt werden. Allerdings muss an dieser Stelle vorerst eine Behelfsbrücke gebaut werden. Auch zwischen Schützenallee und Leinebrücke beginnen die Vorbereitungen für den Ausbau.

Der Südschnellweg (B3/B6/B65) vom Landwehrkreisel zum Seelhorster Kreuz soll während der Arbeiten gesperrt bleiben. Der erste Teil der Aufräumarbeiten wird nach Angaben der Behörde voraussichtlich am Mittwoch abgeschlossen sein. Auf der West-Ost-Achse zwischen der Bundesautobahn 6 und der Bundesautobahn 7 kommt es seit langem häufig zu Staus, auch andere Brücken sollen in schlechtem Zustand sein.

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Vor allem der geplante Ausbau des Westabschnitts der Schnellstraße wird von Umwelt- und Klimaschützern abgelehnt. Auch eine für den Fern-, Nah- und Nahverkehr im Großraum Hannover wichtige Strecke, die bereits durch die Leine-Aue führt, soll hier wiederhergestellt werden. Aktivisten haben bereits Streikposten aufgestellt und das Bündnis „Leinemasch bleibt“ hat die Bäume besetzt.

Rund 150 Unterstützer versammelten sich nach Angaben der Initiative am vergangenen Wochenende. Sie lehnen die Verbreiterung der Straße ab und kritisieren die Räumungspläne scharf. Leinemasch ist auch ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Badeseen. Im östlichen Bereich an der Schützenallee und der Hildesheimer Straße stehen mehrere Zäune, die Polizei hat den Bereich gesichert.

Die Region Hannover und das Land Niedersachsen haben das Projekt geprüft, das gesamte Projekt ist Bundessache. Eine Sprecherin von „Leinemasch bleibt“ nannte es einen „eklatanten Erfolg“, dass Landesverkehrsminister Olaf Lies (SPD) versprochen habe, im Westteil vorerst bis Oktober 2023 keine Bäume zu fällen. Im Koalitionsvertrag versprach die rot-grüne Landesregierung, „sich mit jahrzehntelang verankerten traditionellen Formen der Verkehrspolitik und ihren sozialen und ökologischen Folgen kritisch auseinanderzusetzen“. Die nächsten Verhandlungen könnten mit dem Bundesverkehrsministerium geführt werden.

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Die Landesbehörden betonten, möglichst sparsam vorzugehen: „Die Arbeiten werden bedarfsgerecht und den Bauvorschriften angepasst durchgeführt. Bäume werden nur auf den Flächen entfernt, die für den nächsten Bauabschnitt unbedingt erforderlich sind.“ Diese werden nun zunächst für die Behelfsbrücke und die Bauvorbereitung des Tunnels Hildesheimer Straße/Schützenallee benötigt.

Nach ersten Räumungen kam es am Montagnachmittag jedoch zu einem neuen Streit. Dabei sollen laut Beobachtern einige Bäume entfernt werden, die nach den Verhandlungen mit der Polizei am Wochenende nach den “Überresten von Leinemasch” zunächst entfernt werden sollten. Die Initiative „Ende Gelände“ teilte am Abend mit, die Bäume seien etwa zehn Meter zu weit zerstört worden. Sie forderte einen sofortigen Stopp der Aufräumarbeiten und ein öffentliches Aufklärungsverfahren.

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Ob und wie viele Bäume in dieser „Schutzzone“ womöglich bereits gefällt wurden, werde nun untersucht, teilte die Behörde mit. Eine Sprecherin der Polizei Hannover sagte, mindestens ein Baum in unmittelbarer Nähe des Lagers sei bereits zur Rodung vom Zaun entfernt worden – weitere Angaben machte sie nicht und verwies auf das Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Ihr Sprecher teilte am Montagabend mit, dass die Vorwürfe nach einer Überprüfung nicht verifiziert werden könnten. „Als Landesbehörde liegen uns derzeit keine Hinweise vor, dass einzelne Bäume entgegen der mündlichen Absprache zwischen Polizei und Demonstranten am Sonntag anlässlich des zuvor besetzten Baumes gefällt worden sind“, heißt es in der Mitteilung. Das Amt setzt weiterhin auf den Dialog mit den Demonstranten. Bei allen Fällarbeiten wird darauf geachtet, die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten. Die Aufräumarbeiten sollen am Dienstag fortgesetzt werden.

© dpa-infocom, dpa:221205-99-785893/7

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