Schlappe für Bertelsmann: Übernahme von Simon & Schuster scheitert – Wirtschaft

Als wichtiger Zeuge trat ein Prominenter auf: Stephen King (75) erschien im August 2022 vor dem Bundesgericht in Washington und stellte sich erstmals den Richtern vor: „Mein Name ist Stephen King. Ich bin freiberuflicher Schriftsteller.“ Dann sagte der Autor vieler Bestseller-Horrorromane: “Ich denke, Konsolidierung ist schlecht für den Wettbewerb.” Je mehr Unternehmen, desto besser. Damit unterstützte er die Klage des US-Justizministeriums gegen das Milliardenprojekt des deutschen Medienkonzerns Bertelsmann – offenbar mit Erfolg.

Buchbranche: Autor Stephen King (mit Maske) im August in Washington vor Gericht.

Schriftsteller Stephen King (in Maske) im August in Washington vor Gericht.

(Foto: Tom Brenner/Reuters)

Der weltgrößte Buchverlag Penguin Random House, der zu 100 % zu Bertelsmann gehört, hatte vor zwei Jahren angekündigt, den Konkurrenten Simon & Schuster für mehr als zwei Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Zunächst galt die Zustimmung der Kartellbehörden fast als Formsache. Doch jetzt scheitert das Milliardengeschäft daran. Das US-Bezirksgericht in Washington entschied auf Grundlage einer vom Justizministerium eingereichten Klage, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb auf dem Markt für Veröffentlichungsrechte an den meistverkauften Büchern in den Vereinigten Staaten erheblich einschränken würde. Nun will Simon & Schuster es offenbar endlich hinnehmen. Penguin Random House konnte laut Insidern Simon & Schuster nicht davon überzeugen, wie geplant Berufung gegen das Urteil einzulegen und den Deal zu erneuern.

Es wäre eine wichtige und prestigeträchtige Übernahme für Bertelsmann. Nicht nur Stephen King, sondern auch Hillary Clinton, John Irving und Bob Woodward veröffentlichen ihre Bücher bei Simon & Schuster. Die Autoren des Verlags sind weltweit bekannt, manche sogar Kult – und sie machen ein ziemlich gutes Geschäft. Der Verlag wurde 1924 von Richard Simon und Lincoln Schuster gegründet und ist einer der größten und bekanntesten Buchverlage in den USA. Penguin Random House mit Hauptsitz in New York hat bereits rund 320 unabhängige Buchverlage auf sechs Kontinenten mit mehr als 15.000 Neuerscheinungen und mehr als 600 Millionen verkauften Büchern pro Jahr. Der Verlag veröffentlichte kürzlich unter anderem die Memoiren des Ex-Präsidenten Barack Obama und legte damit auf Millionenauflagen los. Michelle Obama ist eine der Autoren, und Prinz Harrys Autobiografie wird im Januar veröffentlicht. Auch die Liste bekannter Autoren ist lang.

Auch in Frankreich scheiterte Bertelsmann an den Kartellbehörden

„Ein Zusammenschluss wäre im Interesse des Wettbewerbs“, sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe Anfang November und hoffte auf eine Berufung. Für ihn und Markus Dohle, Chef von Penguin Random House, wäre ein Scheitern ein ziemliches Scheitern und große Hoffnungen zunichte gemacht. Die Zahlen von Bertelsmann sind gut, aber die Liste der Probleme ist lang. Auch in Frankreich scheiterte ein Vorzeigeprojekt am heftigen Widerstand der Wettbewerbsbehörden: Rabe wollte den TV-Sender M 6 an den Konkurrenten TF 1 verkaufen, um einen „nationalen Champion“ zu schaffen. Nun muss er alleine mit dem M 6 weitermachen. Auch die Verbindung des luxemburgischen Callcenter-Betreibers Majorel, an dem Bertelsmann beteiligt ist, mit einem Konkurrenten scheiterte. In Deutschland sorgt die Fusion von RTL mit dem Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr für große Unruhe und Top-Manager verlassen das Unternehmen. Eine Erfolgsmeldung aus den USA wäre wünschenswert. Das Buchgeschäft ist auch die Keimzelle, aus der Bertelsmann einst hervorgegangen ist.

Simon & Schuster gehört derzeit noch zu Paramount. Das Scheitern des Bertelsmann-Deals öffnet nun einem neuen Käufer die Tür. Rupert Murdochs News Corp-eigene Harper-Collins und Lagardères Hachette Book Group haben bereits öffentlich Interesse an einer Übernahme von Simon & Schuster bekundet. Harper-Collins versuchte 2020 erfolglos, einen Verlag zu erwerben, wobei Bertelsmann zu diesem Zeitpunkt bevorzugt wurde.

Source

Auch Lesen :  Qualcomm sieht rapiden Abfall der Smartphone-Nachfrage | Freie Presse

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button