Berlin: Miese Miet-Masche mit Flüchtlingen | News

Berlin – Das „Liebig 34“, ein Altbau in der Liebigstraße 34 in Berlin-Friedrichshain, war eines der berühmtesten besetzten Häuser Berlins. Dann kam der Oktober 2020 – die Polizei rückte zu Hunderten an, räumte das Gebäude und verhalf damit Eigentümerin Gijora Padovicz zur Besitznahme.

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Was seitdem passiert ist, ist fraglich. Ein ehemaliger Hausbesetzer, der beim Späti gegenüber ein Sternburger-Bier kaufte, sagte zu BILD: „Der Besitzer hat jetzt Flüchtlingsfamilien einziehen lassen, weil er weiß, dass wir nie etwas aus der linken Szene machen würden, wenn es keine Kinder gäbe .”

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BILD erhielt Hinweise von Behörden, dass die Zustände in dem Haus katastrophal seien. Und tatsächlich: Auf dem Hof ​​liegt Müll und Unrat, und am Hauseingang klingelt es nicht.

Nur ein neuer Briefkasten mit tschetschenischem Nachnamen und dem Namen der Firma, die das Haus von Padovicz gemietet hat und die Miete einzieht, “Werttax Group GmbH”, steht an der Türklingel.

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Das bisher bewohnte Eckhaus in der Herbstsonne

Das bisher bewohnte Eckhaus in der Herbstsonne. Es wurde im Oktober 2020 geräumt

Foto: Timo Beurich

Die Fassade des Hauses ist in einem desolaten Zustand, übersät mit Graffitis wie „Smash the State and Masturbate“.

Die Treppen sind neu verputzt, Fremde haben „L34 lebt“ und „Kill Padovicz“ an die Wände geschrieben. Tatsächlich hat die Besitzerin des Hauses, Gijora Padovicz, in der Vergangenheit ernsthaft bedroht.

Eine klare Drohung gegen den Besitzer

„Kill Padovicz“ steht an der Wand. Dies ist eine klare Drohung gegen den Eigentümer des Hauses

Foto: Timo Beurich

Ein Anwalt von Padovicz sagte zu BILD: „Mr. Padovicz selbst wurde über Twitter öffentlich und wirkungsvoll darüber informiert, dass er bald „im Kofferraum“ sein werde. Hier wird ein klarer und kalkulierter Bezug zum RAF-Terror hergestellt.”

Im Treppenhaus von „LIebig34“ sieht es von außen ähnlich aus: An einer Stelle ist der Putz abgeblättert. An dieser Stelle wird wie bei einer archäologischen Ausgrabung ein buntes Graffiti an der Wand freigelegt.

Alt und neu im Treppenhaus

Alt und neu im Treppenhaus: Unter der sanierten Wand tauchen Graffiti auf

Foto: Timo Beurich

Wuchermiete ohne Heizung

Hier, in dem heruntergekommenen Haus, zahlt eine Familie 1300 Euro für vier Zimmer, eine andere Familie muss 1150 Euro für drei Zimmer bezahlen. Das Geld dafür kommt vom Jobcenter. So viel zahlt man in Berlin üblicherweise für komplett sanierte Wohnungen. Das ist Wucher!

In einer Wohnung, in der eine Mutter mit ihren sieben Kindern lebt, wurde die Tür aufgebrochen und nicht repariert. Die Mietpreise sind Warmmieten. Aber bei keinem der Mieter funktioniert die Heizung.

Eine andere Mutter im Haus sagt zu BILD: „Der Verwalter sagt seit anderthalb Jahren, dass wir die 40.000 Euro für die Heizung selbst zahlen müssen. Wir mussten 4000 Euro bezahlen, um überhaupt die Wohnung zu bekommen. Der Müll wurde monatelang nicht abgeholt, weil der Fahrer die Gebühren nicht bezahlt hat.”

Ortswechsel: Im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg wird es chaotisch. Sozialstadtrat Oliver Nöll (52, links) sagt: „Zunächst möchten wir uns für die Hinweise bedanken, denn dem Landratsamt war das Fehlen einer Heizungsanlage nicht bekannt.

Diesbezüglich werden nun die zuständigen Ämter und das Jobcenter feststellen, ob der Sachverhalt zutrifft und ob die Wohnungen tatsächlich unbewohnbar sind. Gleichzeitig untersuchen wir die Möglichkeit einer alternativen Unterbringung, falls sich diese Informationen bestätigen.”

Stadtrat Florian Schmidt (47, Grönes) schreibt auf der anderen Seite: „In den Wohnungen sind Heizkörper und Leitungen, die offenbar auch in Ordnung sind. Allerdings fehlt die Heizungsanlage im Keller des Hauses. Damit sind die Kühler praktisch nutzlos.“

Hier hat jemand den Müll vor der Tür angezündet, der Boden ist geschmolzen

Hier hat jemand den Müll vor der Tür angezündet, der Boden ist geschmolzen

Foto: Timo Beurich

Die Mieter versuchen sich derweil mit Elektroheizungen selbst zu helfen, die sie selbst bezahlen müssen.

Sie flohen aus ihrer tschetschenischen Heimat, um in Deutschland ein besseres Leben zu haben. Alle, die fast nichts haben, mussten Vermittlungsgebühren in Höhe von Tausenden von Euro bezahlen, um in Kühlräumen Unterschlupf zu finden. Auf dem überfüllten Berliner Mietmarkt sahen sie keine andere Möglichkeit.

Fahrer droht

Viele Mieter haben Angst vor dem Verwalter Ruslan K., einem stämmigen Tschetschenen um die 50, der Geschäftsführer der Werttax Group GmbH war.

Als BILD ihn wegen der Missstände anschreibt, ruft er an und droht: „Wenn du nochmal in dieses Haus kommst, fick ich dich in den Arsch, verstehst du, Schweinchen“ und legt auf.

Jemand hat im Flur eine Kamera installiert, offenbar um die Bewohner zu überwachen.  Zuvor war die Kamera laut Anwohnern nicht nach unten, sondern in den Flur gerichtet

Jemand hat im Flur eine Kamera installiert, offenbar um die Bewohner zu überwachen. Zuvor war die Kamera laut Anwohnern nicht nach unten, sondern in den Flur gerichtet

Foto: Timo Beurich

Eine Anwältin von Gijora Padovicz schreibt gegenüber BILD, dass es keine andere Möglichkeit gab, als an die Firma Werttax Group GmbH zu vermieten: „Aus Sicherheitsgründen war es dem Eigentümer nicht möglich, die Immobilie selbst zu verwalten. Die Werttax Group GmbH war der einzige Bewerber um einen Mietvertrag.”

Laut RBB-Recherchen arbeitete Ruslan K. für Padovicz, der 2008 die Liebigstraße 34 kaufte. Das Unternehmen war für die Reinigung der Liebigstraße 34 zuständig. Laut RBB vermittelte K. auch Arbeiter für die Baustellen von Padovicz.

BILD hat jetzt erfahren: K. wurde zu einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er in 17 Fällen keinen Lohn gezahlt hatte. Probezeit läuft noch.

Hunderte Polizisten waren im Oktober 2020 im Einsatz, um das Haus zu räumen

Hunderte Polizisten waren im Oktober 2020 im Einsatz, um das Haus zu räumen

Foto: dpa

Der Anwalt von Padovicz sieht keinen Fehler bei seinem Mandanten

BILD hat den Anwalt von Padovicz erneut gefragt, was sein Mandant darüber denkt, was in seinem Besitz passiert. Der Anwalt entgegnete, dass es nun einen Rechtsstreit mit dem Unternehmen gebe und der Mietvertrag gekündigt sei: „Das Land Berlin hat die erbetene Hilfe bei der Nachnutzung abgelehnt. Etwaige Mängel in der Liegenschaft Liebigstraße 34 werden kurzfristig behoben, Bestellungen sind bereits erfolgt.“

Gijora Padovicz besitzt ein großes Netzwerk von Immobilienunternehmen. Allein im Berliner Bezirk Friedrichshain sind es rund 50 Häuser.

Der Berliner Rechtsanwalt Marek Schauer hatte viel mit Gijora zu tun Padovicz zu tun. Zu BILD sagt er, Zustände wie in der Liebigstraße seien kein Einzelfall.

Schauer: „Mieter wie die tschetschenischen Flüchtlinge kennen oft ihre Rechte nicht und sind froh, dass sie überhaupt eine Wohnung bekommen. Ich habe Leute vertreten, die in Häusern, die den Firmen von Gijora Padovicz gehörten, etwas Ähnliches sehen konnten.

Rechtlich kann es im Fall der Liebigstraße sein, dass er als Eigentümer an Dritte vermietet, die als Vermieter auftreten. Padovicz ist dann bei Reklamationen aus der Reihe und kann dem Mieter alles in die Schuhe schieben. Dort finden wahrscheinlich Umgehungsgeschäfte ihrer Art statt.“

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Quelle: BILD

12.10.2022

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